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News

22.03.2015
Was habe ich als Oberländer von der S-Bahn?
Die S-Bahn Schwitzkasten Frage von Peter Kunkel aus Triesen

Nur einzelne Siedlungen liegen am Bahngleis. Ist die S-Bahn deswegen ein Luxusprojekt für
wenige, während der grösste Teil des Landes ausgegrenzt wird?

Wenn jemand wie der Triesner Peter Kunkel weit weg von der Bahn wohnt, liegt es nicht gerade auf der Hand, das Projekt gutzuheissen.

 
Peter Kunkel: Wieso soll ich als Oberländer für die S-Bahn sein?

 
Markus Verling: Das ist eine der zentralen Fragen. Kurzfristig profitieren die bereits erschlossenen
Gemeinden, die Automobilisten, die dank umsteigender Pendler mehr Platz auf der Strasse haben
und die ÖV-Benutzer von aufeinander abgestimmten Bahn- und Busverbindungen. Die S-Bahn ist
aber ein Generationenprojekt. Sie eröffnet Optionen für das ganze Land und genau darüber sollten
sich vor allem die Oberländer und alle, die abseits des Bahntrasses wohnen, Gedanken machen.
 
Es geht darum, jetzt den Grundstein für einen zweiten Verkehrsträger zu schaffen und damit Möglichkeiten zur Weiterentwicklung zu eröffnen. Wollen wir das, oder wollen wir stattdessen glauben, dass es auf alle Zeiten so wie bisher weiterfunktioniert? Wir sollten jetzt solidarisch sein. Es geht um einen wegweisenden Entscheid für die Mobilität. Verantwortung nehmen wir dann wahr, wenn wir in dieser Frage nicht nur an uns selbst und an das Heute, sondern an Liechtenstein und morgen denken.

 

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20.03.2015
S-Bahn Visualisierungen
Videoanimation und Panoramatour

Eine kommentierte Videoanimation und eine Panoramatour bieten die Möglichkeit, das S-Bahn Projekt im Bild kennenzulernen.

 

Zu den Visualisierungen


20.03.2015
Wieso finanzieren wir eine Infrastruktur, die uns nicht gehören wird?
Die «S-Bahn Schwitzkasten»-Frage von Stefan Schädler aus Triesen

Das S-Bahn Projekt sieht vor, dass sämtliche Eisenbahninfrastruktur nach dem Bau ins Eigentum der ÖBB übergeht, während nur die neuen Strassen und Radwege dem Land gehören. Stefan Schädler aus Triesen wundert sich darüber.

 

Stefan Schädler: Warum beteiligt sich Liechtenstein an der Finanzierung des ÖBB-Eisenbahnausbaus?

 

Markus Verling: Es handelt sich tatsächlich um einen einmaligen Investitionskostenbeitrag an die ÖBB. Das ist aber nichts Aussergewöhnliches. Auch die Dampfbrücke Schaan – Buchs beispielsweise wurde vom Land mitfinanziert, ohne dass wir jetzt Miteigentümer sind. Zwei Aspekte waren ausschlaggebend für das Beteiligungsmodell. Erstens: Wir investieren in etwas, das uns zwar nicht gehört, aber grossen Nutzen bringt. Zweitens: Ausser der Investition fallen für die umfangreiche Eisenbahninfrastruktur keine laufenden Betriebs- und Unterhaltskosten an. Wir verfügen übrigens auch gar nicht über die Fachkompetenz, die Eisenbahnanlagen zu unterhalten. Dazu müssten wir eigens Strukturen schaffen, was wiederum mit beträchtlichen Kosten verbunden wäre.

 
Stefan Schädler: Und wer garantiert uns, dass die Anlagen auch werterhaltend betrieben und gewartet werden?

 
Markus Verling: Das ist über die neue Konzession klar geregelt. Die ÖBB sind vertraglich dazu verpflichtet. Sie sind ja auch daran interessiert, denn nur intakte Anlagen machen das Angebot attraktiv.

 

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17.03.2015
Wie schaut so ein S-Bahnhof aus?
Die «S-Bahn Schwitzkasten» Frage von Nicole Berger

Neben Gleis- und Strassenbauten ist auch die Erneuerung der bestehenden Haltestellen Teil
des S-Bahn Projekts. Wie man sich diese vorstellen kann, interessiert Nicole Berger.

 

Vier Stopps bestehen entlang der Eisenbahnlinie in Liechtenstein. Erst ihr Ausbau ermöglicht die Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger.

 
Nicole Berger: Unsere Bahnhöfe sind ja total veraltet. Wie werden sie ausschauen, wenn das S-Bahnprojekt realisiert wird?

 

Markus Verling: Die Haltestellen sind für das ganze Projekt von zentraler Bedeutung, denn nur wer attraktive Ein- und Umsteigemöglichkeiten hat, wird die S-Bahn benützen. Park & Ride Anlagen, Veloabstellplätze, Busvorfahrten und Taxistände gewährleisten die Anbindung und Vernetzung. Auch Plätze für Kiss & Ride gibt es. Das sind Vorfahrten für Autos, an denen Personen rasch aussteigen und sich verabschieden können. An den S-Bahnhöfen treffen sich alle Verkehrssysteme und greifen ineinander. Wir sprechen deshalb von Mobilitätsdrehscheiben.

 

Damit die Bahnhöfe diese Anforderungen erfüllen können, werden sie komplett erneuert. In erster Linie geht es um Zweckmässigkeit und Barrierefreiheit. Die Bahnsteige werden erweitert und niveaufrei gestaltet, zentrale Bereiche werden überdacht und mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet. Personenunterführungen stellen sicher, dass die Passagiere bequem und sicher auf die richtige Seite der Geleise gelangen.

 

Nicole Berger: Werden alle Bahnhöfe gleich ausgebaut?

 
Markus Verling: Schaan-Vaduz, Nendeln und Schaanwald werden nach denselben Standards
ausgestaltet. Einzig die Haltestelle Schaan-Forst wird etwas einfacher sein, d. h. ohne direkte
Busanbindung, Park & Ride Möglichkeit und Unterführung.

 

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15.03.2015
Wann kann ich S-Bahn fahren?
Die «S-Bahn Schwitzkasten»-Frage von Brigitte Bühler aus Eschen.

Die S-Bahn ist ein Projekt, von welchem vor allem die kommenden Generationen profitieren
sollen. Einige Zeit dauern wird es auch noch, bis die Züge überhaupt fahren könnten.

Sollten der Landtag im Juni und das Stimmvolk im Herbst grünes Licht für die S-Bahn geben, kann der
Startschuss für die Umsetzung des Projekts erfolgen. Bis die Bahn dann schliesslich fahren wird, fliesst noch viel Wasser den Rhein hinunter.

 
Brigitte Bühler: Ich hoffe sehr, dass das Projekt umgesetzt wird. Wann könnte ich denn frühestens in die S-Bahn einsteigen?

 
Markus Verling: Bauvorhaben dieser Grössenordnung und Komplexität brauchen viel Zeit für die
Umsetzung. Optimistisch wäre es, zu sagen, dass die Züge 2020 rollen, realistischer ist wohl 2022 und
etwas pessimistisch wäre 2025.

 

Wenn tatsächlich grünes Licht für den Bau der S-Bahn gegeben wird, folgen zunächst die Ausführungsplanung sowie anschliessend die Ausschreibung und Vergabe der Aufträge. Das dürfte zwei Jahre in Anspruch nehmen. Danach müssen wir mit einer Bauzeit von mindestens drei Jahren rechnen, und das auch nur dann, wenn alles optimal läuft. Die Dauer der Projektumsetzung ist von vielen Faktoren abhängig. Wir gehen also von fünf bis zehn Jahren aus.

 

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12.03.2015
Wofür werden fast 100 Millionen Euro ausgegeben?
Die «S-Bahn Schwitzkasten»-Frage von Michael Benvenuti.

Für eine zeitgemässe S-Bahn-Linie sollen zwischen den Bahnhöfen Feldkirch und Schaan-Vaduz rund 100 Million Euro in den Ausbau der bestehenden Eisenbahninfrastruktur investiert werden. Da stellt sich die Frage, welche konkreten Massnahmen geplant sind.

 

Michael Benvenuti: Das S-Bahn Projekt soll 100 Millionen Euro kosten. Muss tatsächlich so viel Geld für den Ausbau einer Eisenbahnlinie ausgegeben werden?

 

Markus Verling: Richtig, das Gesamtprojekt wurde auf der Preisbasis des Jahres 2010 in dieser Höhe
veranschlagt. Dazu ist allerdings zu sagen, dass es sich um ein gemeinsames Projekt zwischen Liechtenstein und Österreich handelt, bei dem sich unser Kostenanteil auf 50 Millionen Euro beläuft. Das Projekt besteht zudem nicht nur aus einer Doppelspur, die das Kreuzen von Zügen und damit die Einführung eines Halbstundentaktes möglich macht, sondern auch aus ergänzenden Massnahmen, die die S-Bahn für unser Land und die Region attraktiv machen.

 

Michael Benvenuti: Um welche begleitenden Massnahmen geht es konkret?

 
Markus Verling: Neben dem erwähnten Gleisausbau werden die Bahntechnik und die Haltestellen bzw. Bahnhöfe erneuert. Es entstehen Mobilitätsdrehscheiben, wo Bahn-, Bus-, Auto-, Fahrrad- und Fussgängerverkehr sich begegnen. Zudem wird auch in den Lärmschutz investiert, und was das Ganze zum Gesamtverkehrsprojekt macht, sind Neubauten von Strassen und Radwegen. In Nendeln wird es beispielsweise keine Engelkreuzung und keinen Bahnübergang mehr geben, stattdessen jedoch eine Umfahrung mit Unterführung.

 

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12.03.2015
«Das S-Bahn-Projekt ist kein Luxusprojekt»
Volksblatt-Interview mit Regierungsrätin Marlies Amann-Marxer

Verkehrsministerin Marlies Amann-Marxer lobt die geplante S-Bahn Liechtenstein als Generationenprojekt, widerspricht den lautesten Kritikern, nimmt deren Sorgen aber ernst.

 

Volksblatt: «Breites Plädoyer für die S-Bahn», titelte das Volksblatt nach der Aktuellen Stunde im März. Orteten Sie bei den Abgeordneten ebenfalls eine mehrheitliche Rückendeckung für das Projekt?

 
Marlies Amann-Marxer: Die überwiegend positiven Voten in der Aktuellen Stunde des Landtags haben mich natürlich sehr gefreut. Es wurde deutlich zum Ausdruck gebracht, dass es sich beim S-Bahn Projekt um eine Landesaufgabe von grosser Bedeutung für die Zukunft handelt, der wir uns jetzt zu stellen haben. Ich hoffe sehr, dass es uns gelingt, in den kommenden Wochen die Bürger und Bürgerinnen davon zu überzeugen, dass wir vorbeugen müssen, da wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit einem steigenden Verkehrsaufkommen zu rechnen haben. Wir haben nicht viele Möglichkeiten, um diese Verkehrslage zu bewältigen und die Mobilität auch zukünftig zu sichern. Eine funktionierende moderne S-Bahn ist eine realistische Möglichkeit. Und diese Möglichkeit ist auch finanzierbar.
 
Volksblatt: Im Landtag zeichnet sich eine Mehrheit für die S-Bahn ab, VCL und Wirtschaftsverbände sprechen sich dafür aus, das Fürstenhaus ebenfalls. Die Entscheidung fällt allerdings an der Urne – und an den Stammtischen gibt es nur wenige Befürworter der S-Bahn. Auch die Leserbriefschreiber äussern sich, wenn überhaupt, ablehnend. Worauf führt die Regierung diese Negativstimmung zurück?

 
Marlies Amann-Marxer: Die Kritik richtet sich hauptsächlich gegen das vorliegende Investitionsprojekt. Das Argument ist, wir brauchen keine S-Bahn. Zudem wird kritisiert, dass der Zeitpunkt ungünstig sei, da die Regierung sparen müsse. Diese Kritik kann ich verstehen. Doch die relevante Frage, wie wir das erhöhte Verkehrsaufkommen in 20 Jahren bewältigen können, wird ausgeblendet. Wir werden das mit unserem Strassensystem nicht schaffen. Wir werden angewiesen sein auf eine Alternative. Ein Schienensystem verläuft bereits heute durch das halbe Land. Es dient hauptsächlich dem Fernverkehr. Mit einem relativ kleinen Ausbau der Schieneninfrastruktur zur Einführung einer modernen S-Bahn bekommen wir auch einen grossen regionalen Nutzen zu einem günstigen Preis.

 
In den kommenden Wochen bieten wir verschiedene Möglichkeiten an, sich über die Notwendigkeit eines zukünftigen Verkehrssystems und über das Projekt selbst zu informieren. Es gibt die Beitragsserie «S-Bahn Schwitzkasten» in der Landespresse, wir haben eine Homepage aufgeschaltet und vor allem führen wir im ganzen Land Informationsveranstaltungen durch. Ich würde mich sehr freuen, wenn möglichst viele Menschen zu diesen Veranstaltungen kommen oder sich über die erwähnten Kanäle ihr eigenes Bild machen.
 
Volksblatt: Die Volksabstimmung wird aller Voraussicht nach im Herbst 2015 stattfinden. Wie wollen Sie die Stimmbürger bis dahin vom Projekt überzeugen? Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die Liechtensteiner zuletzt den Gürtel enger schnallen mussten und bereits weitere finanzielle Einschnitte drohen?

 
Marlies Amann-Marxer: Wir werden möglichst umfassend und transparent über die Entwicklungen zur Verkehrssituation in unserem Land informieren. Wir müssen über die ungebrochen steigende Anzahl von Bevölkerungszahlen, Arbeitsplätzen und Verkehrswachstum sprechen. Die Botschaft lautet, dass die S-Bahn ein Generationenprojekt ist und dass es wichtig ist, auch dann in die Zukunft zu investieren, wenn wir gegenwärtig nicht die finanziell besten Jahre durchlaufen. Darüber hinaus bin ich voller Vertrauen in die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Das S-Bahn-Projekt ist kein Luxusprojekt. Es ist einfach notwendig, um in unserem Land auch in Zukunft mobil zu bleiben.

Volksblatt: Die Wirtschaft erhofft sich Vorteile vom Ausbau der bestehenden S-Bahn, Pendlern aus der Schweiz und aus Vorarlberg soll sie ebenfalls entgegenkommen. Aber was hat der Steuerzahler aus Liechtenstein von dieser 50-Millionen-Franken-Investition?

 
Marlies Amann-Marxer: Das S-Bahn Projekt sieht vor, nicht nur in die Eisenbahninfrastruktur zu investieren, sondern in bedeutendem Umfang auch in Strassen, Radwege und andere Anlagen. Mit dem Ausbau der Eisenbahnlinie zur attraktiven, regional angebundenen S-Bahn werden sich Entwicklungsmöglichkeiten für den Standort Liechtenstein eröffnen, und das wiederum kommt allen zugute. Mit einer S-Bahn im Halbstundentakt können unsere Hauptverkehrsstrassen eine Entlastung erfahren, wie es andernorts in Agglomerationsgebieten nachweislich der Fall ist.
 
Volksblatt: Der FBP-Abgeordnete Johannes Kaiser kritisierte in der Aktuellen Stunde die seiner Meinung nach einseitigen Jubelhymnen auf die S-Bahn und forderte eine Gesamtbetrachtung der regionalen Verkehrssituation. Fehlt ein solches Gesamtkonzept tatsächlich?

 
Marlies Amann-Marxer: Die S-Bahn ist nur als Teil einer Gesamtverkehrslösung für Liechtenstein und für die Region gedacht. Dessen ist sich die Regierung bewusst. Sie ist sich aber auch bewusst, dass die S-Bahn ein sehr wichtiges Puzzleteil in diesem Ganzen ist. So ist das Projekt auch Teil des Agglomerationsprogramms Werdenberg-Liechtenstein. Vorarlberg und St. Gallen haben ihre S-Bahn-Verbindungen mit grossen Beträgen ausgebaut und die Haltestellen und Bahnhöfe attraktiver gestaltet. Mit der S-Bahn Liechtenstein werden wir Teil dieser Entwicklung.

 
Volksblatt: Die S-Bahn Liechtenstein geistert bereits seit 2005 durch die heimische Politik. Weshalb dauerte es so lange, dieses Projekt auf Schiene zu bringen?

 
Marlies Amann-Marxer: Es ist ganz einfach die Projektkonstellation, die dafür verantwortlich ist. Wenn drei Länder beim Aufgleisen eines solchen Vorhabens beteiligt sind, besteht zunächst einmal ein enormer Koordinations- und Verhandlungsbedarf. Seit der ursprünglichen Idee zum Ausbau der Bahn-Infrastruktur wurden laufend weitere Verhandlungen geführt und die erzielten Vereinbarungen auf Bundesebene sowie auf Landes- bzw. Kantonsebene unterzeichnet. Im Weiteren beansprucht die Projektplanung viel Zeit und nicht zu vergessen ist auch die Abwicklung der verschiedenen Behördenverfahren. Wichtig ist, dass wir nach wie vor im Zeitplan sind, welcher es möglich macht, das S-Bahnprojekt als Gemeinschaftsprojekt zu realisieren.

 
Volksblatt: Die Regierung bekennt sich zwar offiziell zur S-Bahn, von Begeisterung ist aber nur wenig zu spüren. Die Regierung habe Angst, sich am Projekt die Finger zu verbrennen und dafür bei den Landtagswahlen 2017 abgestraft zu werden, munkeln Politik-Insider. Was ist dran an dieser Einschätzung?

 

Marlies Amann-Marxer: Ich kann mit grosser Überzeugung sagen, dass dem überhaupt nicht so ist. Ganz im Gegenteil: die S-Bahn stellt ein Kernprojekt im Regierungsprogramm 2013 – 2017 dar. Sie ist das einzige grosse Infrastrukturprojekt, welches die Regierung im Rahmen dieses Programms einer Entscheidung zuzuführen gedenkt. Wörtlich heisst es, dass das Projekt prioritär weitergeführt werde. Es kann also nicht die Rede davon sein, dass die Regierung Angst hat, sich die Finger zu verbrennen. Die Regierung ist überzeugt vom Nutzen einer S-Bahn als zusätzliches Verkehrsmittel der Zukunft.

 
Volksblatt: Wie schlimm wäre es denn, wenn Landtag oder Stimmvolk Nein sagen würden zur S-Bahn? Und was wären die Alternativen, gibt es einen Plan B?

 
Marlies Amann-Marxer: Es steckt viel Arbeit hinter dem Projekt, welches ja noch von meinem Vorgänger Martin Meyer begonnen wurde. Das Projekt wurzelt in der Überzeugung der Regierung, dass die Investition sich als richtig und wichtig für unser Land erweisen wird. Von daher wäre es natürlich schmerzhaft, wenn die S-Bahn scheitern würde. Einen Plan B gibt es im Moment nicht. Sollte es tatsächlich so kommen, werden wir das demokratisch zu Stande gekommene Resultat zur Kenntnis nehmen. Alternativen zu finden für ein anderes zukünftiges Verkehrssystem des Landes dürfte sehr schwierig und sehr teuer sein, falls überhaupt möglich. Solche Ideen, vor Langem geboren, wurden allesamt verworfen. Sie scheiterten an der Realität. Andererseits kann es nicht Aufgabe der Politik sein, Entwicklungen von Bevölkerung und Arbeitsplätzen zu verhindern, um den Verkehr einzudämmen. Im Gegenteil – wir fördern sie. Wie schon gesagt, ich vertraue fest in die Weitsicht und das Verantwortungsbewusstsein der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Liechtensteins.

 

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10.03.2015
Wieso ist die S-Bahn jetzt Thema?
Die «S-Bahn Schwitzkasten»-Frage von Günther Fritz.
Die S-Bahn ist ein Grossprojekt mit beträchtlichen Kosten. Günther Fritz will daher von Markus
Verling wissen, ob es klug sei, das Thema gerade jetzt vor den Landtag zu bringen.

Günther Fritz: Wieso legt die Regierung dem Landtag das S-Bahn Projekt in einer Zeit vor, wo sonst an allen Ecken und Enden gespart wird?

 
Markus Verling: Es mag durchaus sein, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht gerade gut sind. Die Regierung hat sich den Zeitpunkt allerdings nicht willkürlich ausgesucht, er drängt sich vielmehr auf und ist, wenn man so will, so günstig wie er lange nicht mehr sein wird.

 
Günter Fritz: Was ist also der Grund?

 
Markus Verling: 2017 läuft die Konzession der ÖBB für den Betrieb der Bahnstrecke durch unser Land aus. Im Rahmen der Verlängerung müssen die ÖBB in die Infrastruktur investieren. Und genau diese Gelegenheit wollen wir beim Schopf packen, denn es hat sich gezeigt, dass von der Erneuerung und einem Ausbau des aktuellen Bestandes sowohl Österreich als auch Liechtenstein profitieren können.

 

Wir sind daran interessiert, eine Alternative zum Strassenverkehr aufzubauen. Es ist von regionalem Interesse, die Strecke durch unser Land an die S-Bahnsysteme in St. Gallen und Vorarlberg
anzubinden. Schon früh sind daher Gespräche geführt worden, sodass eine finanzielle Beteiligung Österreichs für alle Projektmassnahmen, auch für die begleitenden Strassen- und Radwegprojekte, in Aussicht steht. Liechtenstein muss jetzt entscheiden, denn bis zum nächsten Konzessionsverfahren
vergehen wieder vier Jahrzehnte. Wenn wir die S-Bahn nicht jetzt, mit Beteiligung Österreichs, bauen, kostet uns ein Bau in Zukunft viel mehr Geld.

 

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08.03.2015
Braucht Liechtenstein eine S-Bahn
Die «S-Bahn Schwitzkasten»-Frage von Michael Winkler.

Mit dem ersten Beitrag der Serie «S-Bahn Schwitzkasten» hat in der Sonntagszeitung LIEWO vom 8. März 2015 die Information der Regierung über das S-Bahn Projekt ihren Auftakt genommen. Dazu nahm LIEWO-Chefredaktor Michael Winkler den Leiter des Amtes für Bau und Infrastruktur, Markus Verling, in den S-Bahn Schwitzkasten.

 

Michael Winkler: Hand aufs Herz, brauchen wir wirklich eine S-Bahn?

 

Markus Verling: Da kann ich ganz offen sein. Heute kommen wir noch ohne sie klar. Doch jetzt kommt das grosse Aber, denn Liechtenstein braucht die S-Bahn für die Zukunft. Das ist auch schnell erklärt. Wir kennen alle die Wachstumsprognosen bezüglich Bevölkerungs- und Arbeitsplatzentwicklung. Die damit einhergehenden Mobilitätsbedürfnisse können wir auf die Dauer nicht auf unserem begrenzten Strassennetz sicherstellen. Es geht deshalb nicht ohne ein zweites, von der Strasse unabhängiges Verkehrsmittel.

 

Michael Winkler: Und das ist eine S-Bahn?

 

Markus Verling: Ja, da bin ich ganz Realist. Wir haben seit mehr als 100 Jahren ein Gleis und jetzt bietet sich die Chance, es nach und nach zu einem funktionierenden und leistungsfähigen Verkehrsträger für unser Land auszubauen. Gleichwertige Alternativen sehe ich derzeit keine. Es braucht jetzt Weitblick und den Mut, eine Entscheidung zu treffen, von der wir in Zukunft alle profitieren werden, vor allem die nächsten Generationen.

 

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08.03.2015
Regierung informiert über S-Bahn
LIEWO-Bericht vom Sonntag, 8. März 2015

Voraussichtlich im Juni-Landtag wird der Bericht und Antrag der Regierung rund um die Errichtung der geplanten S-Bahn behandelt. In diesem Zug informiert die Regierung nun die Öffentlichkeit über die geplante S-Bahn Liechtenstein.

 

von Michael Winkler

 

Trotz Wirtschafts- und Finanzplatzkrise ist die Regierung davon überzeugt, dass der Wirtschaftsmotor
weiter brummt. Der Pendlerverkehr wird demnach weiter zunehmen. Bis zum Jahr 2030 rechnet eine
Studie mit über 43 000 Einwohnern und 25 000 Pendlern in Liechtenstein. Neben einem funktionierenden Strassennetz braucht es laut Verkehrsministerin Marlies Amann-Marxer auch ein funktionierendes Schienennetz: «Die S-Bahn ist nicht die Lösung für heute, sondern eine
Investition für die Zukunft.»

 
Im Juni kommt das Thema auf den Tisch
Grosse Teile der Bevölkerung teilen diese Ansichten nicht. Die einen kritisieren, dass man in Zeiten des Sparens solch aufwändige Projekte lanciert, während man die Bürger mit der Senkung von Staatsbeiträgen massiver an den Kosten beteiligt. «Es ist nachvollziehbar, dass Gegner des Projekts dieses Argument ins Feld führen. Doch wir denken an eine Lösung für die verkehrlichen Herausforderungen der Zukunft», erklärt Amann-Marxer, die davon wichtigen Beitrag zur Verkehrsentlastung leisten kann. Der Leidensdruck sei womöglich aktuell noch nicht so hoch, dass man akuten Handlungsbedarf sieht. «Wenn wir aber jetzt nicht agieren, werden wir gezwungen sein, eines Tages zu reagieren – und diese Lösungen werden dann wohl bedeutend teurer sein.»

 
Gemeinsame Finanzierung
Das geplante Projekt umfasst Massnahmen, die auf der Preisbasis 2010 gesamthaft etwa 99 Millionen Euro kosten. Davon entfällt der Grossteil auf den Ausbau der Schiene (mit Doppelspurausbau zwischen Tisis und Nendeln), etwa 12 Millionen auf die Installation der neuen und Aufwertung der bestehenden Haltestellen und ein grosser Kostenfaktor mit ca. 25 Millionen sind auch die flankierenden Massnahmen im Strassenbau (Strassenverlegung in Nendeln mit Unterführung, Kreisel bei der Industrie und Anbindung der Haltestelle in Mauren, Radwegunterführungen etc.). Die Finanzierung wird gemäss einer Vereinbarung zu 50 Prozent von Österreich übernommen – so fallen für Liechtenstein noch Kosten von ca. 50 Millionen Euro an. Im Kontext ist es wichtig zu erwähnen, dass 2017 die Eisenbahn-Konzession der ÖBB für diese Strecke ausläuft und diese verlängert werden müsste. «Wir müssen
diese Zeitfenster nutzen um die Für und Wider zu diesem Projekt abzuwägen und zeitnah eine Entscheidung herbeiführen», ist die Verkehrsministerin überzeugt.

 
Informationen fliessen
Die Regierung hat nun den Fahrplan zur Information für die Bevölkerung festgelegt. Diese umfasst Informationen in den Zeitungen. Es gibt zudem Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung im Mai – je eine im Ober- und eine im Unterland. Am 26 März findet eine Veranstaltung der VU, Zeit für Liechtenstein, zu diesem Thema statt. S-Bahn Infoveranstaltungen werden auch in den Gemeinden und in den Betrieben durchgeführt.

 

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05.03.2015
Aktuelle Stunde in Landtag
Der Landtag hat in seiner Aktuellen Stunde das S-Bahn-Projekt der Regierung zum Thema gemacht. Mit den Schlagzeilen «Landtag will den Zug nicht verpassen» (Vaterland) sowie «Breites Plädoyer für die S-Bahn Liechtenstein» (Volksblatt) bringen die Landeszeitungen in ihren Ausgaben vom 5. März 2015 auf den Punkt, wie Abgeordnete und Regierungsvertreter zum Projekt stehen.

Als Regierungsvertreterin bezog die zuständige Verkehrsministerin Marlies Amann-Marxer in der Aktuellen Stunde des März-Landtags Stellung zum S-Bahn-Vorhaben. «Das laufende Verkehrswachstum der letzten Jahre in Liechtenstein gründet unter anderem auf der raschen Entwicklung der Arbeitsplätze und der Bevölkerungszahlen. Entsprechend haben wir in Zukunft mit weiterem Mehrverkehr zu rechnen. Unsere Möglichkeiten zur Bewältigung von Mehrverkehr sind jedoch begrenzt. Der Ausbau und die Stärkung des regionalen Schienenverkehrs ist eine Lösung für die Zukunft». Wirtschaftsminister Thomas Zwiefelhofer ergänzte: «Die S-Bahn liefert nicht nur verkehrspolitische, sondern auch wirtschaftspolitische Antworten.»

 

Die Freie Liste, welche das Thema der Aktuellen Stunde festlegte, äusserste sich sehr positiv über die geplante Bahnerweiterung. «Die S-Bahn ist eine einzigartige Chance, zu sehr günstigen Konditionen einen Verkehrsträger zu etablieren, der eine ebenbürtige Beförderungskapazität wie die Landstrasse aufweist», sagte Thomas Lageder (FL). Auch sein FL-Fraktionskollege Wolfgang Marxer plädierte für einen positiven Entscheid, der die Richtung für eine koordinierte Raum- und Siedlungsplanung vorgebe. «Wenn man sieht, welche Massnahmen im Rheintal zwischen St. Margrethen und Chur beschlossen und umgesetzt wurden, wäre es beinahe fahrlässig, sich von dieser Entwicklung ins Abseits zu stellen.»

 

Unter den Landtagsabgeordneten fanden sich vereinzelt auch kritische Stimmen, obschon sich niemand gegen die S-Bahn aussprach. «Das Projekt wurde bisher glorifiziert. Es gibt aber Punkte, die kritisch beleuchtet werden können, welche bisher aber noch nicht in den Raum gestellt wurden», sagte Johannes Kaiser, Abgeordneter der FBP. Wichtig sei es, so Johannes Kaiser weiter, das Verkehrssystem als Ganzes zu betrachten. In dieselbe Richtung argumentierte der DU-Abgeordnete Erich Hasler. Er sagte: «Wer behauptet, dass damit die Verkehrsproblematik gelöst wird, verbreitet Falschinformationen. Es braucht ein Gesamtkonzept, das insbesondere auch den Individualverkehr mit einbezieht.»

 

Trotz dieser mahnenden Voten zeigte sich unter den Landtagsabgeordneten eine sehr deutliche Mehrheit, die dem S-Bahn Projekt sehr positiv gegenübersteht. «Die S-Bahn hat von Anfang an das Potenzial, Platz auf Liechtensteins Strassen zu schaffen», sprach sich etwa die VU Abgeordnete Karin Rüdisser-Quaderer für die Finanzierung der S-Bahn aus, dies unter anderem «weil diese Massnahme schnell greift und weil damit Optionen eröffnet werden, dass unsere wenigen Hauptstrassen-Korridore auch in 20 und 30 Jahren das Verkehrsaufkommen noch zu schlucken vermögen
Auch der FBP-Abgeordnete Manfred Batliner fand deutliche Worte: «Wir haben drei mögliche Strategien: Fortschritt, Stillstand oder die Pensionskassenstrategie: zuwarten und an die Wand fahren. Die Pensionskasse konnten wir mit Geld korrigieren, für den Verkehr neuen Raum zu schaffen, könnte sich jedoch als erheblich schwieriger herausstellen.»

 

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